Fabienne Lüthi Solothurn Gedankenwerkstatt

Wenn die Nacht am tiefsten ist – warum Adeles Hello mich so berührt

„HELLO“ – das ist er, der Song der mich seit paar Tagen begleitet.

 

Ich weiss ja nicht, aber irgendwie versetzt mich dieser Song in eine Art Trance. Nicht weil er so schön ist und auch nicht weil er mir gefällt. Nein, der Inhalt, der Text versetzt mich in Rage und wer mich kennt weiss, dass ich immer zuerst das Gute in allem finde. Ausser der „grausam schönen“ Melodie und Stimme, finde ich aber nichts Gutes daran.

Wer um Himmels Willen kommt auf so einen Text? Sorry, aber ich höre immer die eine Stimme in meinem Kopf die laut schreien möchte: „F… YOU!“ Das war jetzt eine ungewohnte Wortwahl von mir ja, aber es gibt grad nichts jetzt hier in diesem Moment was mir besseres dazu einfallen würde.
Das wäre definitiv meine Antwort, wäre dieser Song mir gewidmet.

Dieser Text er schmerzt. Solch ein Schmerz, man muss ihn einfach aushalten und hoffen, dass er von alleine wieder geht. Er weckt Erinnerungen. Man kann nur hoffen, dass die Wunde, die er ausgelöst hat, verheilen. Es gibt keine wirkliche Lösung und auch keine gut gemeinten Ratschläge. Am besten atmet man tief ein und aus. So lässt der Schmerz irgendwann nach. Wir können dem Schmerz nicht entkommen, denn das Leben bringt ständig neuen Schmerz. Die Frage ist nur, wie weit wir darauf Einfluss nehmen können.

Ich erinnere mich, ich habe immer davon abgesehen, dass es weh tut, doch es tut auch so weh. Jede halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge. Wir belügen uns sogar selbst, aber hier ist die Wahrheit über die Wahrheit: sie tut weh, also lügen wir. Im Grunde genommen will niemand die Wahrheit hören, ganz besonders dann nicht, wenn sie einem nahe geht. Manchmal sagen wir die Wahrheit, weil wir dem anderen nicht mehr geben können, als die Wahrheit. Manchmal sagen wir die Wahrheit, weil wir sie laut sagen müssen, damit wir sie selber hören. Und manchmal sagen wir die Wahrheit, weil wir einfach nicht anders können. Manchmal ist es aber auch so, dass wir die Wahrheit sagen, weil wir dem anderen wenigstens das schuldig sind.
Wir können unser Leben damit vergeuden, Grenzen zu ziehen, oder man kann es leben indem man sie überschreitet. Es gibt allerdings Grenzen, wo es gefährlich ist, sie zu überschreiten. Doch manchmal muss man gewillt sein ein Risiko einzugehen, die Aussicht auf der anderen Seite könnte spektakulär sein und doch…manchmal muss man loslassen um die Liebe festzuhalten. Wie absurd! Ich mag das Wort „Loslassen“ sowieso nicht und doch tut man es jeden Abend wenn die Sonne untergeht. Vielleicht aber auch nur weil man weiss, dass sie am anderen Tag wieder da ist.

Das Problem mit der Abhängigkeit ist ja, dass es nie gut ausgeht, denn irgendwann wird das, was uns das High-Sein beschert – egal was es ist – aufhören, uns ein gutes Gefühl zu verschaffen und anfangen weh zu tun. Es heißt, dass man die Abhängigkeit, die Sucht, nicht loswerden kann, bevor man den absoluten Tiefpunkt erreicht hat. Aber woher weiß man, wann das ist? Denn egal wie sehr uns eine Sache auch verletzt, manchmal schmerzt es noch viel mehr, sie loszulassen.

„Kurz vor dem Sonnenaufgang ist die Nacht am dunkelsten“; ich erinnere mich auch daran.
Leben bedeutet zu fühlen, hier heute und jetzt. Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. Vielleicht stimmt das? Womöglich aber liegen Erkenntnis und Erleuchtung auch in der Zukunft. Kürzlich fragte mich jemand, wohin die Liebe geht wenn sie geht…? „Das ist mir momentan eigentlich scheissegal, ich will wissen, wohin du gehst wenn du so weitergehst!“, war meine Antwort. All der Schmerz, die Angst, der ganze Schrott. Auch ich werde wohl nie verstehen, weshalb das schönste aller Gefühle gleichzeitig die Hölle in sich bergen kann. Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer scheint es mir, dass es das ist was viele eigentlich zu überwinden versuchen. Das Gefühl der Abhängigkeit und zeitgleich immer einen sicheren Hafen zu suchen. Fremde und Freude stehen für Lust und Leben. Ausbruch ist Erneuerung, Heimkehr wäre Haft. Und wenn es nicht so wäre? Wäre es anders? Wäre es schöner? Wäre es endlich richtig? Gibt es überhaupt den richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Leben? Oder ist das nur die verzweifelte menschliche Suche nach Ergänzung, die vielleicht nie kommen wird weil sie nur eine Hoffnung ist, allerdings eine, die uns am Leben hält?

Und all diese Gedanken wegen einem Song..haha! Einen Klick in den Songtext lohnt sich und mit erhobenem Zeigefinger füge ich noch hinzu: „ Es ist nicht die Liebe die enttäuscht, es sind die Menschen!“

Fabienne Lüthi Gedankenwerkstatt Hypnose Solothurn

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